Wie Sie sich nicht von chinesischen Lieferanten betrügen lassen

Sie kennen bereits Alibaba, sind jedoch unsicher den chinesischen Lieferanten korrekt zu evaluieren? Hier gebe ich Ihnen eine Anleitung, wie sich der Prozess von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Bestellung gestaltet und wie Sie am besten vorgehen, um sich vor Enttäuschungen oder gar Betrug schützen können.

1. Das Produkt

Zuerst sollten Sie sich selber alle Produktdetails deutlich machen. Bevor Sie eine Preisanfrage (RFQ) verschicken, benennen Sie alle Informationen, die Sie haben. Dies spart auch Zeit bei der weiteren Kommunikation mit dem Lieferanten:

  • Exakter Produktname
  • Größe und Gewicht
  • Materialen
  • Qualitätsstandards und Zertifikate
  • Eigenlogo
  • Verpackung
  • Benötigte Menge

All diese Informationen sind in den meisten Fällen notwendig, damit der Lieferant überhaupt den Preis bestimmen kann.

Gleichzeitig würde ich noch empfehlen die Lieferzeit, die Mindesbestellmenge und die Zahlungsbedingungen zu erfragen, sofern diese nicht im Vorfeld deutlich gemacht sind.

2. Auswertung

Wenn Sie die Antworten auf Ihre Anfragen erhalten, bewerten Sie nicht nur den Preis. Ist der Lieferant wirklich auf all Ihre Punkte eingegangen? Nur so sind verschiedene Angebote überhaupt erst vergleichbar. Manche Lieferanten sparen einige Kostenfaktoren aus, um Ihnen erst günstig bieten zu können und dann im späteren Verlauf die Mehrkosten für Logo oder Verpackung, etc. aufzuaddieren. Bewerten Sie auch die Reaktionszeit und den Eindruck des Services. Wenn schon die Kommunikation schleppend verläuft, wie wird dann erst die Produktion ablaufen?

Beantwortet der Lieferant Ihre spezifischen Fragen oder gibt er nur eine generische Antwort?

Rufen Sie sie über Skype an, um das Thema weiterzuverfolgen. Informieren Sie sich über die Hintergründe des Unternehmens, Informationen zu Fabriken und der Produktion, über die wichtigsten Produkte und Exportmärkte. Einige Fragen, die Sie stellen sollten, sind u. a:
Stellen sie diese Produkte selbst her oder handelt es sich um ein Handelsunternehmen? Zu den Vor-und Nachteilen und woran du erkennst, ob es sich bei dem Lieferanten wirklich um den Hersteller handelt, findest du hier mehr Informationen

In welche Länder exportieren sie? Diese Frage ist ebenfalls sehr wichtig, weil Sie etwas über die Qualität der Produkte aussagt. Informieren Sie sich auch über den Aufenthaltsort der Fabrik. In China gibt es Regionen, die auf bestimmte Industrien spezialisiert sind, oder die dafür stehen, zwar sehr günstig zu produzieren, jedoch auch in mangelhafter Qualität. Falls Sie nicht gerade für den afrikanischen Markt einkaufen, bleiben Sie diesen Regionen fern.

China gilt zwar längts nicht mehr als Billiglohnland, sondern hat bereits stark aufgeholt und verfügt über Fähigkeiten auch Qualitätsprodukte herzustellen, jedoch wird weiterhin immer noch viel Schrott produziert, insbesondere für den afrikanischen Markt. Schauen Sie deswegen nicht nur auf den Preis, sondern machen Sie sich einen Eindruck über die Professionalität der Firma. Treten Sie in Kontakt und erfragen Sie die Referenzen und lassen sich Beispiele zeigen.

Legen Sie sich auch nicht auf nur einen Lieferanten fest. Suchen Sie immer mehrere Alternativen, am besten auch einen Backup-Lieferanten, für den Fall, dass es später Probleme gibt.

3. Online-Forschung

Achten Sie bei der Überprüfung auf den Produktmix des Lieferanten. Dies wird ein Anhaltspunkt sein, ob dieses Produkt ihre Stärke, ein Nebenprodukt ist, oder auch ob es sich um ein Handelsunternehmen handelt.

Lassen Sie sich Fabrikfotos zeigen. Trauen Sie Ihnen aber nicht 100 Prozent. Kopieren und Photoshop ist Gang und Gäbe.

Das gleich gilt für Zertifikate: Es ist allgemein bekannt, dass in China viele Arten von Qualitätsmanagement-Zertifizierungen, wie z. B. ISO-9001, leicht zu erwerben sind. Ich habe selber jahrelang in einem chinesischen Handelsunternehmen gearbeitet. Oft sind zwar Zertifikate vorhanden, jedoch nicht für alle Produkte, bzw. Modelle. Hier werden dann gerne Zertifikate vorgezeigt, die nur für eine bestimmte Modelnummer gelten.

Alibabas „Gold Suppliers“ sind immer ein guter Hinweis auf einen seriösen Lieferanten. Alibaba hat hier bereits die Fabrik überprüft. Dies sagt zwar noch nichts über die Qualität der Produkte aus, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Betruges deutlich geringer.

Lassen Sie sich auch nicht von der Webseite blenden. Insbesondere Handelsunternehmen verfügen über hübsche Homepage – ganz im Gegensatz zu Fabriken. Viele sind noch nicht mal auf Alibaba zu finden. Sie haben vielleicht nicht einmal eine Person, die Englisch spricht!

4. Muster

Sobald Sie sich für einen Lieferanten entschieden haben, lassen Sie sich unbedingt ein Muster zusenden. In der Regel sind diese kostenlos. Sollte es sich nicht um einen hochwertigen Artikel handeln, lassen Sie sich keine Gebühr aufschwatzen. Es ist jedoch üblich, dass die Versandkosten ins Ausland nicht übernommen werden, im Inland schon. Ich würde auch empfehlen mir Muster von verschiedenen Herstellern zuschicken zu lassen. Dies kann jedoch sehr teuer werden. Luftfracht von 100 Euro sind normal. Sollte die Möglichkeit bestehen, lassen Sie sich die Muster in China konsolidieren. Falls Sie also einen Kontakt oder einen Partner in China haben, nutzen Sie diese Möglichkeit.

Achtung: Oft sind Muster besser als die spätere Ware

Kleiner Tipp: Sollten Sie sich ein Muster teuer nach Europa schicken lassen, fragen Sie wenigstens vorher beim Lieferanten nach, ob sie die Kosten im Falle einer Bestellung übernehmen würden. Nur die Wenigsten sagen hier „nein“.

5. Bestellung

Hat das Muster Ihre Erwartungen erfüllt, oder gibt es noch Änderungswünsche? Machen Sie diese so deutlich es geht. Betonen Sie auch, dass die spätere Ware der Qualität des Musters unbedingt zu entsprechen hat. Eine Abweichung wird nicht akzeptiert.

6. Bezahlung

Bei den Zahlungsbedingungen gilt als allgemeiner Standard 30 Prozent im Voraus und 70 Prozent bei Lieferung. Sollte für die Vorauszahlung mehr als 50 Prozent verlangt werden, ist dies absolut unseriös und Sie sollten Abstand von dem Lieferanten nehmen. Bei Folgebestellungen sollten Sie auch bessere Zahlungsbedingungen aushandeln.

Als Zahlungsmethode gelten internationale Banküberweisungen als typisch. Für Muster oder sehr kleine Bestellungen ist Paypal auch ok. Western Union mag in manchen Lebenslagen hilfreich sein, ist hier jedoch fern jeglicher Seriösität.

7. Versand

Bereits zwei Wochen vor Ablauf der Lieferzeit würde ich den Lieferanten kontaktieren und etwas Druck machen. Bei Lieferzeiten von 45 Tagen vergehen oft zwei Monate bis die Ware die Fabrik verlässt. Hier kann bereits einige Tage im Vorfeld der Container gebucht und Zeit gespart werden.

Bei geringwertigen Aufträgen lassen Sie sich vor dem Versand nochmal Fotos von der Ware und der Verpackung schicken. Bei größeren Aufträgen empfehle ich eine Drittfirma für die Qualitätskontrolle zu beautragen. Denn bei Mängel können Sie die Ware nicht einfach wieder zurückschicken. Der Schaden könnte imens sein und es gibt keine Garantie für Ersatz oder Rückzahlungen.

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China-Bezug seit 2006. Lebe seit mehreren Jahren dauerhaft im Land der Mitte. Internationale Erfahrung im Sourcing und Business Development und dem Talent für kulturelle Zusammenarbeit.